Ecotopia

Sich selbst zu versorgen umfasst nicht nur die Ernährung. Es beinhaltet auch die Kunst seine Alltagsgegenstände selber herzustellen.

Ton ist ein wunderbares Naturmaterial, mit dem man eine ganze Menge anstellen kann. Der Kreativität sind da kaum Grenzen gesetzt. Kaffeebecher, Teller, Schüsseln, Vasen und Dekorationselemente sind nur einige wenige Ideen, die erschaffen werden könnten.

Ton zu finden ist auch gar nicht so schwer, selbst in unserem ausgelaugten Sandboden findet sich jede Menge. Es braucht nur wieder einmal etwas mehr Zeit, als welchen zu kaufen.

Du findest Ton dort, wo natürliche Wasserreservoirs vorkommen. Das heißt, dort wo Lehm und Ton die Erde so verdichten, dass kein Wasser abfließen kann. Am Meer, an Flüssen, Bächen, Seeufern oder an einem kleinen Tümpel wirst du schnell fündig. Aber man kann auch in seinem eigenen Garten Glück haben.

Ton waschen:

Schaufel Erde in ein Glas, oder besser in mehreren Gläsern und fülle sie mit Wasser auf. Nun wartest du am besten einen Tag bis sich die Erde am Boden gesetzt hat. Am nächsten Morgen wirst du sehen, dass sich mehrere Schichten im Glas abgesetzt haben. Die oberste Schicht ist Ton und den gilt es nun vorsichtig abzugießen.

Pass auf, dass du kein Sand oder auch Steine mit abgießt, der Ton würde sonst verunreinigt werden!

Wiederhole den Vorgang so oft, bis du genug zusammen hast.

Der gesammelte Ton darf dann an der Sonne trocken, damit die Feuchtigkeit reduziert wird.


DIY Töpferscheibe:

Nun kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen und loslegen. Wenn du gleichmäßige Gefäße töpfern möchtest, braucht es schon eine ganze Menge an Know-How in Sachen töpfern oder eine Töpferscheibe.

Töpferscheiben fangen meist bei 300 Euro aufwärts an.

Autsch, teures Hobby!

Aber keine Panik es gibt da auch andere Wege. Du brauchst keine Niere zu verkaufen, um dir eine leisten zu können.

Wir machen das auf die Mac Gyver Art! Ein alter Ventilator, ein Marmeladenglas und ein paar Holzspanplatten mit Schrauben versehen erfüllen auch ihren Zweck.

Hier findest du das Video mit einer super einfachen Beschreibung von http://www.howtolou.com um eine Töpferscheibe selber zu bauen.

Das einzige was daran nicht stimmt ist der Preis. Ich bin mir sicher, dass du diese Sachen für weniger Geld bekommst, wenn nicht sogar umsonst. Schau einfach mal auf Ebay Kleinanzeigen nach oder auf dem Flohmarkt.

Die Tonarbeiten sollten gut getrocknet sein. Mindestens 2 Tage in der Sonne solltest du deiner Kunst gönnen, denn durch zu viel Feuchtigkeit platzen die Gefäße im Ofen(!).


DIY Töpfer-Brennofen:

Auch ein Brennofen lässt sich selber bauen. Du kannst den Brennofen auch ausschließlich aus Naturmaterialien bauen. Zum besseren Verständnis der einzelnen Kammern, erkläre ich hier eine recycelte Konstruktion.

Man nehme 3 große Farbeimer aus Metall, 1 Ofenrohr (1m) kann man auch aus zusammengesteckten Bierdosen bauen, Ziegel oder Schamotte und Draht.

1. Zieh die Handschuhe an und entferne bei dem ersten Farbeimer Deckel und Boden, bei den zwei übrigen jeweils nur einen Boden (der Deckel sollte unbeschädigt sein, am besten sogar abnehmbar).

2. Stanze Löcher in eine Seite eines Farbeimers mit Deckel, das wird der Feuerrost. Schneide eine Öffnung in den Deckel (falls der Deckel nicht abnehmbar ist) so dass du mit deiner Hand durchkommst und deine Tonarbeiten ohne Schaden passieren können.

3. In den anderen Farbeimer mit Deckel schneide eine Tür in die Seite, als Öffnung für das Ofenrohr.

4. Hebe ein Loch in der Erde aus und packe die Erde beiseite.

5. Stecke die Eimer mit der Öffnung für das Ofenrohr und den Eimer ohne Boden und Deckel in einander und befestige sie mit Draht.

6. Schließe nun das Ofenrohr an und stabilisiere es mit etwas von der zur Seite gelegten Erde.

7. Gib 2 Ziegel oder Schamotte Reste als Ständer für dein Podest in die mittlere Ofenkammer, so dass das Feuer unten durchheizen kann.

8. Stecke den letzten Farbeimer mit dem Feuerrost in einander und befestige sie wieder mit Draht. Es sollte ein langer Raum entstanden sein von mehreren Farbeimern.

9. Unter den Feuerrost kommen Steine. Damit ein guter Zug entsteht der das Feuer anfacht.

10. Schütte die Erde zu einem Haufen auf den Ofen. Auf den Ofeneingang solltest du jedoch Steine oder Ton verwenden, da es dort abflacht. Das isoliert den Ofen und die Temperatur kann hoch genug werden für den Brand.

11. Stelle deine mehrere Tage lang getrockneten Tonarbeiten auf das Ziegel-Schamotte Podest und stelle es vorsichtig in den Ofen.

12. Packe sehr viel trockenes Holz zusammen, wenn es soweit ist musst du ununterbrochen anfeuern. Lieber mehr sammeln, als du denkst zu benötigen. Der Brand dauert bis zu 3 Stunden, also nimm dir noch einen Sixer Bier dazu.

Anheizen:

Anfang:

Heize sehr langsam und vorsichtig an! ½ Stunden nur kleine Feuerstücke in den Ofenlegen bei geschlossener Tür/Deckel. Denn, je weiter die Tür offen ist, desto mehr wird das Feuer durch den Sauerstoff angefacht.

Am besten packst du auf dem Ofenrohr noch ein Brett, so gehst du am Anfang auf Nummer sicher, dass die Hitze nicht zu hoch wird.

Ich kann es nicht oft genug sagen: Feuchtigkeit lässt den Ton bersten, da der Wasserdampf nicht durch das feine Mineral gelangt. Also vorsichtiger als vorsichtig (wie mein Fahrlehrer immer zu sagen pflegte)!

Mittlere Etappe:

Steigere das Feuer langsam immer mehr, aber noch nicht auf voller Stufe.

Das Ofenrohr sollte frei sein. Die Tonarbeiten sollten Rußig-Schwarz sein. Wenn die Flammen unter das Ziegel-Schamotte-Podest zu stark durchgehen, solltest du etwas Asche oder Ziegel-Schamotte-Reste drunter geben. Die Tonarbeiten können sich sonst nicht stark genug aufheizen.

End Etappe:

Steigere die Hitze ordentlich und lege immer mehr Holz nach.

Die Tonarbeiten sollten nach ungefähr 1 Stunde anfangen zu glühen. Die Öffnung sollte nur leicht abgedeckt sein. Dünnes, trockenes Holz eignet sich jetzt am besten.

Aus dem Ofenrohr sollte Feuer austreten. Wenn deine Tonarbeiten gelblich orange glühen, weißt du, dass du die richtige Temperatur erreicht hast (circa 1000 Grad).

Herzlichen Glückwunsch!

Heize nun nicht mehr zu sehr an, damit deine Arbeiten nicht schmelzen. Deine Kunst ist nun Wasserdicht.

Ruhephase:

Mache das Ofenrohr und die Öffnung allmählich zu, damit nicht zu viel Hitze verloren geht und schütte Erde auf den Ofen.

Deine Tonarbeiten müssen langsam abkühlen und sich an die Temperatur gewöhnen, sonst könnten sie durch die kalte Luft Risse bekommen. Lasse sie über Nacht ausruhen, bis jegliche Wärme vergangen ist.

Bitte, habe so viel Geduld wie nur möglich. Es lohnt sich!

Je nachdem wie du den Brand beendest gibt es unterschiedliche Effekte:

Bei einem reduzierten Brand wird Öffnung und Ofenrohr gleich nach dem Brand dichtgemacht. Der Ton kann einen Ocker-Farbton erhalten.

Ein oxydierender Brand entsteht, wenn im Ofen genug Sauerstoff um alles zu verbrennen war. Hier wird der Ton Orange-Rot.

Und wenn du viel Holz nachlegst und das Ofenrohr und den Ofen zu machst entsteht ein geschmauchter Brand. Hierbei verfärben sich die Tonarbeiten Schwarz.

Durch Asche, die die Tonarbeiten berühren entstehen zusätzliche Blau-Schwarze Verfärbungen.

Durch vorsichtiges Polieren kannst du deinen Tonarbeiten einen schönen effektvollen Glanz geben.

So ein DIY Ofen hat viel mehr Möglichkeiten, als ein teurer Elektro-Brennofen und ist Energiesparender.

Es gibt noch viele weitere Brennöfen, die man selber bilden kann und die sich auch nur mit Naturmaterialien aufbauen lassen. Nicht umsonst ist die Keramik vergangener Epochen so beeindruckend. Und alles was sie damals hatten war Wissen und jede Menge Holz.

Wenn ihr einen Brand macht, stellt bitte sicher, dass nichts in der Umgebung Feuer fangen kann. So ein Ofen wird extrem Heiß und sollte nur mit voller Bewusstheit verwendet werden.

Viel Spaß beim Nachbauen


Ist töpfern auch was für dich oder magst du andere Kunsthandwerke lieber? Schreib mir ein Kommentar!


Video Copyright http://www.howtolou.com
Fotos Copyright Biotopica Farm © 2016

-Unten findest du das Video zur Bauanleitung- Im Februar 2013 flüchtete die Biotopica Farm nach Zentralamerika, um sich vor dem kalten europäischen Winter zu schützen (das wollten mein Mann und ich mir nicht antun). In Nicaragua strandeten wir auf der wunderschönen Insel Ometepe, welche ein Paradies an Artenvielfalt ist. Wir trampten ein paar Kilometer entlang […]

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