Für diejenigen, die meine Rezepte schon etwas mit verfolgt haben, ist es unübersehbar. Eine meiner Lieblingsbeschäftigung ist das Fermentieren. Die kontrollierte Verwesung übt auf mich eine magische Anziehungskraft aus.

Schon als Jugendliche habe ich ungewollt Lebensmittel ihrer Gärung freien Lauf gelassen. Jedoch waren das damals misslungene Experimente von grün-schleimigen Entenfleisch und sauergewordenen Asia-Nudeln.

Heute ist mein Vorgehen doch etwas fokussierter auf ein köstliches oder in diesem Falle ein nützliches Ergebnis. Ich bin ein großer Fan von Bakterien und Hefen. Sie selbst zu züchten erfüllt mich mit Freude, denn die Zeit, die ich warten muss für ein tolles Endprodukt verstärkt meine Euphorie nur noch mehr.

Eine Essigmutter zu züchten erfordert Geduld, viel Geduld. Es kann bis zu 3 Monate dauern.

Aber vielleicht verrate ich dir erst einmal, warum du eine Essigmutter überhaupt im Haus haben solltest?!

So eine Essigmutter ist die Basis, um Essig zu bilden. Du wirst schneller Essig erzeugen, als eine sichtbare Essigmutter. Aber sie ist schon in dem Essig vorhanden. Dieser Essig ist lebendig und voller Eigenschaften, die deinem Körper gut tun und deine Verdauung erleichtern werden.

Ich rede hier nicht von Branntweinessig oder anderen erhitzten Essigessenzen. Ich rede hier eher von trüben Apfelessig, aber du kannst natürlich jeden anderen Geschmack erzeugen, der dir einfällt. Eine Essigmutter hilft dir schneller ans Ergebnis zu kommen.

Meine Essigmutter lebt mit uns seit Anfang November letzten Jahres. Ich füttere sie regelmäßig mit Agavendicksaft, Honig oder Zucker und gebe alle paar Wochen ein paar neue Ingwerstückchen dazu.

Eine ausgewachsene Essigmutter sieht einer Qualle sehr ähnlich. Ist sie noch jung, wirst du transparente Schleier im Glas schwimmen sehen.

Der Vorgang eine Essigmutter zu züchten ist der Selbe, wie einen Kurkuma-Bug anzusetzen, jedoch empfehle ich biologischen Ingwer anstelle von Kurkuma zu benutzen. Ingwer wirkt antibakteriell und verhindert eine Schimmelbildung oder ein absetzen einer Kahmschicht.

Gerade jetzt. wo die ersten unreifen Äpfel vom Baum fallen, mache ich Literweise Apfelessig für das ganze Jahr. Egal ob Himbeer-Essig, Ingwer-Essig oder Rosmarin-Birnen-Essig, sie dürfen bei keinen frisch gepflückten Salaten fehlen.

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Essigmutter

Zutaten:
400ml Wasser
1 Daumengroße Knolle Bio Ingwer
2-4 EL Agavendicksaft, Honig oder Zucker

Zubereitung:

Den biologischen Ingwer (konventioneller Ingwer könnte behandelt sein und die Bildung einer Essigmutter verhindern) in dünne Scheiben schneiden und in ein Einweckglas mit Wasser und den Agavendicksaft, Honig oder Zucker mischen. Das Einweckglas offen lassen und mit einem Tuch vor Obstfliegen schützen. Alles wochenlang stehen lassen und 2 mal in der Woche mit etwas Ingwer und Süßungsmittel (kein Stevia) deiner Wahl füttern.

Zuerst vergärt der Zucker zu Alkohol und durch die Zufuhr von Sauerstoff wird der Alkohol schlussendlich in Essig umgewandelt. Du kannst den Essig dann schon verwenden. Lass aber genug Flüssigkeit übrig, damit sich die Essigmutter bilden kann.

Ich wünsche dir viel Geduld beim Ausprobieren!


Bist du schon Mutter einer Essigmutter?


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