In diesem Artikel geht es darum, dass viele Menschen eine falsche Vorstellung darüber haben, wie so ein Selbstversorger-Leben aufgebaut ist.

Ich höre schon die Gedanken der Leute „Ja genau, viele stellen sich das immer so einfach vor!“ oder „Das ist knochenharte Arbeit!“.

Nein natürlich nicht.

Ich bin ein normaler Mensch, okay ich brauche für manche Dinge etwas mehr Zeit, aber definitiv bin ich nicht überdurchschnittlich.

Ich bin Mutter, Hausfrau, Bloggerin, habe 3 weitere Business Projekte im Entstehen und leite nebenbei noch unsere Selbstversorger Farm. strong>„Nebenbei“ wird hier betont.

Denn ein Selbstversorger Hof ist nur so schwer zu handhaben, wie man ihn sich selber macht.

Fangen wir beim Gemüse an. Gut geplant mit einem Hauch Disziplin und mit dem richtigen Werkzeug geht das Ansäen ruckzuck.

Anzuchtplatten oder einfache Plastikschalen lassen viele Pflanzen auf wenig Raum wachsen. Eine Erdpresse mit vorgefertigten Löchern für die Samen, nimmt dir viel Arbeit mit dem umtopfen ab. Ich tue das Ansäen meist nach Gefühl, wie viel wir an Gemüse benötigen. Zu Anfang empfehle ich dir einen Pflanzplan nach zu gehen und am Ende der Saison Bilanz zu ziehen.

Jeder hat seine eigenen Vorlieben für Gemüse und der eine benötigt mehr von verschiedenen Sorten, als ein anderer.

Pflanzen zu setzten geht schnell und für Karotten, die man in großen Mengen direkt sät gibt es Sämaschinen, falls du sie nicht per Hand ausstreuen magst.

Diese Aufgabe nehmen noch nicht einmal 3 Tage im Monat ein und man ist das ganze Jahr über mit köstlichen biologischen Gemüse versorgt.

Da ich nach dem Mond gärtner, halte ich mich an bestimmte Tage, bei denen die Planetenkonstellationen günstig stehen. Ja, klingt komisch, erleichtert mir aber einen Zeitpunkt festzulegen, wann ich was im Garten mache.

Obst wächst von allein, dafür braucht man nur den Erntezeitpunkt zu erfahren. Im Herbst bekommen meine alten Apfelbäume eine Massage, mit einer feinen Drahtbürste, damit Algen und Larven sich nicht zu sehr ins Holz fressen.

Zugegebener Maßen, das Einmachen und Einkochen von Marmeladen, Brotaufstriche und für die ganzen anderen tausenden Köstlichkeiten, erfordert etwas mehr Zeit. Aber wieder einmal kommt es auf dich an, was du für Ernährungsgewohnheiten hast.

z.B.Lebensmittel einzufrieren geht schneller, als sie zu fermentieren und Fermentieren geht schneller, als sie einzukochen…

Und wenn du nun ein großer Marmeladen Fan bist, der 20 verschiedene Geschmacksrichtungen haben möchte, dann müsstest du 20 verschiedene Marmeladen kochen und die Früchte putzen und gegebenenfalls entsteinen. Aber hey, niemand muss sich zu 100% selbst versorgen, ein bisschen reicht schon, um den Geldbeutel massiv zu erleichtern. Zur Not ist der Supermarkt 6 Tage in der Woche geöffnet.

Nun gut kommen wir auf die Tiere zu sprechen, denn die meiste Arbeit sehen viele im Stall ausmisten und versorgen.

Und wieder einmal sage ich hier, es kommt auf dich an!

Wie du deine Tiere hältst ist maßgeblich dafür wie oft du ausmisten musst oder sie zu versorgen hast.

Meine Hühner sind Freilandhühner. Echte kleine Waldläufer. Nur im Notfall halte ich sie in ihrem Gehege gefangen, aber das kostet mich meine Zeit. Denn wenn sie in ihrem Stall sind, fressen sie ihr Futter leer und (sorry dafür:) kacken alles voll. Natürlich muss ich dann öfter das Futter nachfüllen und den Stall ausmisten. Das kostet mich nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Im Freiland finden sie mehr Nahrung alleine, so sind sie nicht auf übermäßige Futtergaben angewiesen und sind glücklicher, als in einem Gefängnis.

Eine elektronische Zeitschaltuhr am Gehege mit Mechanismus, öffnet und schließt die Tür, je nach dem wann ich sie gestellt habe automatisch. Also nix mit frühen Aufstehen bei mir! 😉

Noch einfacher sind unsere Schafe und Ziegen. Wir haben eine kleine Herde von 3 Schafen und 3 Ziegen, die zusammen eine Gemeinschaft bilden. Das reicht für unsere Ansprüche an Milch und Wolle. Zur Verfügung stehen ihnen fast 1.3 Hektar. Vom Frühjahr bis zum Wintereinbruch finden sie dort ihre Nahrung und bis die Fläche mal ausgemistet werden muss, vergehen einige Monate, denn sie sind ja nicht immer am selben Ort.

Natürlich bekommen sie ihre Leckerlis, die nicht notwendig sind, jedoch die Beziehung zwischen mir und ihnen stärken.

Im Winter sieht das etwas anders aus: Ich gebe täglich Heu und befreie die Tränken von Eis, jedoch würde ich bei der Kälte nie das Haus verlassen und bin dankbar dafür, dass mich so etwas an die frische Luft zwingt. Und das sind weniger als 3 Zeit intensivere Monate, bei unserem milden deutschen Winter.

Wir haben noch mehr Tiere, aber bei allen kommt es darauf an, wie viele Tiere, wie viel Platz benötigen, damit du genug Zeit hast für andere Dinge im Leben.

Am meisten Zeit und Geld in Anspruch nehmen Hunde und Katzen.

Das glaubst du vielleicht nicht, ist aber so! Hunde- und Katzenfutter kostet doppelt so viel, wenn nicht sogar das Dreifache, wie Hühnerfutter oder Heu. Auch das Säubern vom Garten oder der Katzentoilette ist im Vergleich extrem Zeitraubend und wenn man dann noch die Pflege und Tierarztkosten mit einbezieht sind Hunde und Katzen haushohe Verlierer in einer Nutzen-Kostenrechnung.

Aber was rede ich. Ich liebe meinen Hund und gebe für sein Wohlbefinden gerne Geld aus. Hobbys können bekanntlich teuer sein.

Wenn ich nun bedenke wie viel Zeit und Geld ich beim Einkaufen opfern würde, baue ich mein Gemüse lieber selber an und kümmere mich, um meine geliebten Tiere. Da habe ich in 1 Sekunde einen wirklich frischen Salatkopf. Natürlich muss ich anderthalb Monate früher daran gedacht haben, aber dafür hat man ja einen Pflanzplan.

Kein Wunder also, dass heutzutage niemand mehr Zeit hat, wenn alle sie mit Einkaufen verschwenden.

Wie siehst du das? Was fällt dir schwer bei der Selbstversorgung?

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