Nach 2 ½ Stunden Wartezeit ist es endlich soweit. Ich erblicke am Horizont die alte heruntergekommene Fähre auf der dunkel blauen Wasseroberfläche. Hart kämpfend gegen die 3 Meter hohen Wellen kommt sie nur langsam voran, aber mein Herz schlägt mit jedem Meter die sie näher kommt höher. Als die Fähre am Ufer anlegt stehen mein Freund und ich dicht gedrängt in mitten von einheimischen Händlern und Touristen. Jeder möchte sich einen bequemen Platz ergattern und die Aussicht auf Ometepes aktive Vulkane genießen. Schnell kaufe ich mir beim nebenstehenden Händler einen Beutel mit süßen Cashewnüssen, und stürme mit meinen Ellbogen voran an Bord.

Nicaragua ist ein atemberaubendes Land.

An einem Tag kann man in der angesagten Stadt León Eiskaffee schlürfen und sich im Künstlerbedarf eindecken, mit dem Shuttlebus in die Hauptstadt Managua fahren, um dort an den Marktständen traditionelles Streetfood zu Mittag zu essen und shoppen zu gehen, dann weiter runter mit dem Bus zur farbenfrohen Kolonialstadt Granada auf einen Kuchen vorbeischauen und von dort aus mit der Fähre auf die Insel Ometepe zu fahren, um mit exotischen Tieren in der Natur das Bett zu teilen

(Mach das Zelt zu, die Taranteln dort sind unmenschlich groß!).

Die Fahrt auf der Fähre lässt den stärksten Mann Seekrank werden. Ich umklammere meinen Sitz so stark ich kann, damit ich nicht ins Wasser geschleudert werde. Im Nicaraguasee gibt es Bullenhaie und mit denen möchte ich heute keine Bekanntschaft machen.

Angekommen an Land schwanken wir erleichtert zur Busstation. Unser Ziel ist die Finca Zopilote, ein Eco-Hostel und Permakultur-Ausbildungscenter am Fuße des Vulkans Madera. Kurz gesagt ein Hippie-Traum.

Laute Latinomusik vom Busfahrer begleitet uns auf der holperigen Sandstraße, fröhliche Bier trinkende Touristen und eine Luft die so dick ist, dass man sie schneiden könnte.

Der Bus ist wie eine Party in einem Gewächshaus bei 35 C Außentemperatur.

Wir sind nicht die einzigen die zum Zopilote Hostel wollen. Mit uns steigen noch über 15 weitere Touristen aus und langsam ärgere ich mich, dass ich nicht übers Internet reserviert habe.


Der Weg zur Rezeption geht vorbei am Hostel eigenen Shop in einem alten amerikanischen Schulbus. Dort gibt es selbstgemachte Marmelade, Schokolade und Brot, sowie handgefertigten Schmuck und selbstgemachtes Moskito-Öl zu kaufen. Durch das dicht bewachsene Areal hört man exotische Vögel singen und der Geruch von BBQ kündigt das Abendessen an.

Die Frau an der Rezeption ist freundlich, aber auch geschafft vom Tag. Mitleidig sieht sie uns an, denn das Hostel ist völlig ausgebucht. Aber in der Nähe gäbe es ein verstecktes Hostel, dort sollten wir es versuchen.

Wir beschließen zum versteckten Hostel zu wandern und uns morgen durch Zopilote führen zu lassen. Nach einer erholsamen Nacht, unter dem glitzernden Sternenhimmel und einem ausgiebigen Frühstück kehren wir zurück zum ausgebuchten Öko-Paradies.

Wir kommen an den aus Schilfmatten gestalteten Kompost-Toiletten und den Outdoor-Duschen vorbei.

Wer sich schämt frei zu duschen sollte sich eine andere Unterkunft suchen, denn das hier ist Natur pur.

Hier sind nur biologisch abbaubare Seifen erlaubt. Die Unterkünfte sind traumhaft gestaltet. Auf Stelzen stehend und mit Schilfdach ausgestattet, kann man sich aussuchen in einem Bett, in einer Hängematte oder in seinem Zelt zu übernachten.

Auf dem dschungelartigen Areal werden die Pflanzen mit Tontöpfen, die im Boden eingegraben sind bewässert. In den Topf wird Wasser eingegossen und durch den Ton gelangt das Wasser langsam in den Boden. Gerade bei trockenen klimatischen Bedingungen können somit Pflanzen wassersparend bewässert werden.

Zopilote richtet mit zahlreichen water catchments seine Anbauweise perfekt auf das trockene Klima aus. Tiefbeete in denen sich das Wasser sammelt sind Standard und locken gerade in Regenzeiten Amphibien jeglicher Art an. Permanente Mischkulturen umgeben von Food Forest sind der Mittelpunkt der Anlage.

Dieser Garten ist eine wahre Ode an Bill Mollison’s Permakultur.

Neben den Permakultur-Führungen werden auch zahlreiche Workshops, wie Brot backen, Töpferkurse oder spanisch Kurse angeboten.

Touren zum Vulkan für eine spektakuläre Aussicht über die Insel ist ein Muss für jeden sportlichen Backpacker.

Am Abend kann man sich bei selbstgemachter Pizza aus dem Lehmofen ausruhen oder mit anderen Freigeistern zu intensiven Trommelrythmen durch die Nacht tanzen und sich austauschen. Wenn man es dann noch am morgen früh aus dem Bett schafft, erwartet einen Yoga auf einer spirituell gestalteten Plattform mitten im Urwald, umgeben von archäologischen Petroglyphen längst vergangener Zeiten.

Ometepe ist eine wunderschöne Insel, dass dort so viel Bewusstsein auf die Natur gelegt wird, ist ein Segen für die Welt. Schaut euch auf der Internetseite um, es gibt viel zu entdecken! Und vielleicht plant der ein oder andere ja mal vorbei zu schauen. Es lohnt sich!


Schon Lust auf Urlaub? Hast du eine Permakultur-Farm, die du unbedingt mal besuchen möchtest?


Fotos Copyright http://www.ometepezopilote.com