Selbstversorgung

Hühner sind wirklich geniale Tiere für den Selbstversorger: Sie legen jeden Tag Eier, der Hühnermist ist wahres Gold für den Gemüsegarten und natürlich hat man auch eine Fleischquelle, sofern man das möchte, zudem haben Kinder immer Federn zum basteln und sammeln. Das Beste an Hühnern ist jedoch ihre natürliche Arbeitskraft, die klug eingesetzt, dir viel Arbeit und Frust ersparen kann.

Ich gebe dir hier einen kleinen Einblick über die Besonderheiten auf einem Permakulturhof, vielleicht findest du ein paar Ideen und Anregungen, die du in deinen Garten übernehmen möchtest.

Ein Huhn braucht nicht viel zum glücklich sein. Ausgewogenes Futter aus unterschiedlichen Körnern, Samen, Nüssen, Muschelschalen oder andere Kalkquellen, frisches Obst und Gemüse, sowie Würmer sind für ein Huhn ideal. Einen Platz für das tägliche Sandbad, am besten in der Sonne, um Parasiten aus dem Gefieder zu beseitigen ist ein Muss. Aber auch genug Auslauf zum Scharren und Picken macht die Hühner glücklich und sorgt für die Kieselaufnahme, die bei der Verdauung hilft.

Auf unseren Bauernhof lassen wir die Hühner frei herumlaufen, das spart uns Futter, welches sie selbst besorgen und ermöglicht uns auch im Winter reichlich Eier zu sammeln, denn durch den Freigang bekommen sie genug Sonnenlicht und zusätzliche Nährstoffe zur Eierbildung. Auch wenn es draußen für sie am schönsten ist, den Weg in den Hühnerstall finden sie bei Anbruch der Dunkelheit allesamt. Unsere Hühner teilen sich die Weidefläche mit unseren Ziegen und Schafen, dadurch trauen sich kaum Angreifer aus der Luft, wie Habicht und Falke, an die Hühner heran, aber auch Fuchs und Mader kommen nicht gerne durch unsere Elektrozäune, die die Weide eingrenzen. Im Gegenzug belüften die Hühner den Ziegenstall indem sie im Stroh und im Heu scharren, dadurch bleiben die Klauen der Ziegen und Schafe trocken und verschont von Klauenfäule.

Unser Gemüsegarten grenzt an der Weidefläche, demnach muss dieser gut abgesichert sein, denn kleinste Schlupflöcher finden Hühner sehr schnell. Unser Zaun ist 160cm hoch und zusätzlich mit Kaninchengitter umspannt, ich empfehle dir keinen niedrigeren Zaun zu wählen, denn trotz Beschneidung der Flugfedern (Nicht zu verwechseln mit dem Flügel.) gelangen sie immer noch überall springend rüber.

Hühner lieben Jungpflanzen, Kräuter und Beeren und können ganze Gärten verwüsten. Aber sie können auch von großem Nutzen sein, wenn es um das Anlegen neuer Beete geht. Hühner scharren Grassoden komplett leer, versorgen den Boden mit Stickstoff durch ihren Kot und picken junge Nebenkräuter aus (Unkräuter gibt es meines Erachtens nicht). Ein Hühnertraktor, ein flexibles Gehege, welches man regelmäßig umstellt, halten die Hühner auf einer Fläche. Nur Schweine graben noch besser um, aber das ist ein anderer Artikel.

Am Ende der Gartensaison kann man den Hühnern die letzten Pflanzenreste im Gemüsegarten überlassen, so werden auch überwinternde Schädlinge in ihrer Ausbreitung gehemmt. Hühner scharren jedes Blatt nach dem Laubabwurf um und finden so Schneckeneier, die dir nächstes Jahr die Ernte vermiesen könnten. Wer von Raupen geplagt wird, kann auch mit Hilfe von Hühnern diese eindämmen (Bitte, auf seltene Raupenarten achten, du weißt nicht welch wunderschöner Schmetterling daraus entstehen könnte.) Meine mehrjährigen Kräuter, Pflanzen und Stauden decke ich mit Gartenvlies ab, damit sie vor den Hühnern sicher geschützt sind. Wir haben noch nie Probleme mit Schnecken gehabt und ich denke, dass unsere Hühner maßgeblich dafür verantwortlich sind.

Wem es auch ein Graus ist regelmäßig den Kompost zu wenden, kann das auch den Hühnern überlassen. Durch das Scharren gelangt mehr Sauerstoff in den Kompost und verhindert die Schimmelpilzbildung, dadurch beschleunigt sich der Verrottungsprozess und du erhältst schneller fertigen Kompost als mit einem Schnellkomposter. Dazu erhalten die Hühner eine weitere Nahrungsquelle, die weitaus schmackhafter ist, als das Körnerfutter. Jedoch sollte der Hühnermist aus dem Stall getrennt vom Kompost gelagert werden, damit sich die Hühner nicht mit Krankheitserregern infizieren. Auch toxisch wirkende Pflanzenreste (Avocado, Schalen von Zitrusfrüchte und Zwiebelgewächse) sollten einen separaten Ort erhalten.

Im Hühnerstall sollten sich Sitzstangen und Nestboxen, sowie immer genügend frisches Wasser neben dem Futter befinden. Es kann vorkommen, dass ein Huhn durch den Konkurrenzkampf, Futter in großen Mengen hinunterschlingt, dass es ohne Wasser am verstopften Futter im Hals ersticken könnte. Frisches Wasser ist wichtig, denn die meisten Krankheitserreger werden durch verschmutztes Wasser aufgenommen. Unser Hühnerstall ist Windgeschützt, kann jedoch im Sommer gelüftet werden.

Als Einstreu nehmen die meisten Bauern heutzutage Stroh, jedoch hatten früher nicht alle Menschen so viel Land zur Verfügung um Getreide und somit Stroh anzubauen oder es sich kaufen zu können, somit nahm man früher Laub. Eichenlaub ist ideal als Einstreu, es verrottet nur langsam und das Klima im Stall ist viel länger angenehm frisch, fast wie in einem Wald. Zudem ist es auch noch kostenlos. Eingelagertes Eichenlaub sollte immer gut getrocknet sein, damit es sich nicht vorzeitig zersetzt oder zu schimmeln anfängt. Du wirst den Unterschied zu Stroheinstreu sofort riechen, der beißende Ammoniakgeruch des Hühnerkots wird dadurch regelrecht neutralisiert. Nun weißt du, was du mit den Unmengen an Laub, die im Herbst anfallen anstellen kannst.

Hühner bekommt man von Züchtern, Nachbarn, Hühnerzuchtbetriebe oder durch befruchtete Bruteier, die man mit Hilfe eines Brutkastens ausbrüten lässt. Wir haben eine Vorliebe für historische Hühnerrassen, die kurz vor dem Aussterben sind. Leider bekommt man diese meist nur noch über Bruteier aus dem Internet, deshalb benutzen wir dazu unsere Brutmaschine damit wir einige Rassen davon erhalten können. Im Internet, insbesondere auf Ebay, wird man schnell fündig, wenn es um spezielle Rassen geht. Natürlich ist es etwas mehr Arbeit, aber bei den Schönheiten, die auf unseren Hof herumlaufen ist die extra Mühe Wert und erwähnte ich schon die süßen Küken, denen man beim Schlüpfen zusehen kann?

Falls dir das aber nicht wichtig erscheint, hat vielleicht auch ein Nachbar Mix-Rassen für wenig Geld abzugeben. Auch wenn man denken könnte, dass Mix-Rassen sehr robust sein sollten, stimmt das nur bedingt, denn auch hier kommt es auf die väterlichen bzw. die mütterlichen Gene an.

In einem Hühnerzuchtbetrieb gibt es eine breitere Auswahl an Hühnern. Broiler, Hochleistungslegerassen oder Zweinutzungshuhn, die man dort erwerben kann, jedoch sind die Lebensumstände, Antibiotikazugaben und das mangelnde Tageslicht Dinge, die du nicht mit deinem Geld unterstützen solltest. Wir haben vor Jahren zwei Hochleistungslegehennen aus solch einem Zuchtbetrieb geholt, wovon beide durch ihren nimmersatten Heißhunger auffielen. Sie haben einen tollen Charakter, ohne Frage, jedoch sieht man schon nach einem Jahr die deutlichen Anzeichen vom täglichen Eier produzieren: Das Gefieder wird struppiger, die Hennen setzten kaum noch Fett an und werden dürr, dadurch werden sie auch anfälliger für Krankheiten. Beide Hennen wurden 4 Jahre alt, was nicht besonders alt ist für ein Huhn.

Ein Zweinutzungshuhn ist da wesentlich stabiler und liefert neben Eier auch noch Fleisch, unter vielen historische Rassen, wie das Vorwerkhuhn, sind solche Selbstversorger Lieblinge.

Der berühmte Broiler dagegen ist gezüchtet worden, um viel Fleisch und Fett anzusetzen. Bei einer reinen Mastfutter-Haltung frisst sich der Broiler bis zur Bewegungslosigkeit, jedoch sagt ein Bekannter, dass Broiler mit normalen Körnerfutter ein Vielfaches besser schmecken sollen und zusätzlich ihre Beweglichkeit behalten. Da wir unsere Hühner der Eier und ihrer Hofarbeit wegen halten kann ich persönlich nichts zum Thema Fleischquelle Huhn sagen. Unsere Damen bleiben ihr ganzes Leben bei uns, egal ob sie Eier legen oder nicht. Die Eierproduktion geht meist nach 2 Jahren langsam zurück, bis nur noch ein Ei pro Woche gelegt wird, jedoch habe ich hier auch eine fast 5-jährige Henne, die jeden zweiten Tag legt. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Hühnerrassen und Charaktere, man kann sie nicht alle über einen Kamm scheren.

Wir haben auf der Biotopica Farm schon über 20 unterschiedliche Hühnerrassen gehalten, am Ei sehen wir genau welches Huhn es gelegt hat. Farbe, Form und Größe sind je nach Huhn unterschiedlich und manchmal auch der Geschmack. Ein Legehennen Ei schmeckt meiner Meinung nach einfach wässrig und kommt an dem vollen Geschmack eines Totenkos oder eines Cemanis nicht ran. Das ist ein weiterer Grund warum wir auf seltene Hühnerrassen Wert legen. Auch Hähne lassen sich einfacher verkaufen, wenn sie eine lange Geschichte haben.

Falls du Hühner halten möchtest solltest du unbedingt nur ein Hahn auf mindestens 5 Hühner haben. Hähne können Hühner zu Tode picken, wenn sie unterfordert sind. Zudem werden Hähne mit zunehmenden Alter Kampfbereiter und können sich untereinander stark verletzen. Trotzdem würde ich niemals ohne einen Hahn meine Damen halten wollen, denn er treibt sie zusammen, weist ihnen den Weg in den Stall, sucht Futter und fängt sogar Mäuse, ja er beschützte sogar schon ein Huhn vor dem sicheren Tod durch einen Raubvogel, der sich von den Ziegen nicht abschrecken ließ.

Jedes Jahr bauen wir auch einige Futterpflanzen für unsere Tiere an: Neben Mais, Getreide, Sonnenblumen und Futterrüben geben wir auch Kräuter wie Rosmarin und Oregano zum fressen. Mit in die Legekästen gegeben schützt Oregano, Lavendel, Rosmarin und Minze vor Milben und anderen Parasiten. Die ätherischen Öle wirken als eine natürliche Abwehr.

Neben Küchenabfällen ernten wir auch Gemüse, welches uns nicht appetitlich erscheint, wie Zuckerhutsalat, das Laub von Zuckererbsen oder überreife Tomaten für die Hühner. Eine weitere Methode Hühnerfutter zu sparen, ist das keimen lassen von Getreide, wie Weizen. Den Eimer ein Drittel mit Weizen füllen und mit Wasser aufgießen. Einweichen lassen, abgießen und am zweiten Tag kann man die ersten Keimsprossen sehen. Keimsprossen sind leicht verdaulich und frisch, zudem wird das Volumen verdoppelt und deine Hühner schneller gesättigt.

Früher haben wir Mehlwürmer und Heuschrecken gezüchtet, jedoch sind diese Tierchen schwerer zu züchten als Schafe, Ziegen und Hühner gemeinsam.

Eine zusätzliche Proteinquelle für die Hühner kannst du mit einer „Schmuddelbox“ bauen. Dies ist ein Eimer mit Löchern im Boden, den du aufhängst und altes Fleisch oder Käse hineinlegst. Durch die Löcher im Boden gelangen Fliegen in den Eimer und legen ihre Eier in das verrottende Fleisch, aus dem nach wenigen Tagen Maden schlüpfen. Wenn du nun den Eimer bewegst, fallen die Maden durch die Löcher und den Hühnern vor die Füße. Diese Methode funktioniert nur in den wärmeren Monaten, logisch im Winter fliegen auch keine Fliegen.

Wir kaufen trotzdem noch Bio-Hühnerfutter dazu, denn es gibt auch Tage, an denen nichts vorbereitet wurde und die Fütterung schnell ablaufen muss, aber es gab auch Zeiten in denen wir kein Futter bekommen konnten und da sind diese kleinen Selbstversorger Tricks lebensrettend.

Ich bin mir sicher, dass ich nicht alles erwähnt habe und es noch genügend weitere Tipps und Tricks rund um die Hühnerhaltung gibt. Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick geben, wie wir unsere Hühner halten und vielleicht kannst du das ein oder andere für deinen Hof umsetzen.

*Dieser Text enthält Affiliate-Links. D.h. wenn du etwas über diesen Link kaufst gibst du mir ein kleines Dankeschön für meine Arbeit, aber keine Sorge du zahlst nichts extra. Ich bekomme ein paar Cent für die Vermittlung (Hey, Kleinvieh macht auch Mist!). Alle angegebenen Produkte benutze ich selber und erleichtere mir dadurch das schöne Leben auf meiner Farm.

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